Behörden & Vorschriften

Kostenübernahme von Hautstraffungen durch die Krankenkasse möglich?

Jeder vierte Deutsche leidet laut der Weltgesundheitsbehörde (WHO) an Übergewicht, auch bekannt als Adipositas. Viele verschiedene Faktoren spielen hierbei eine Rolle. Häufig sind eine falsche Ernährung und Bewegungsmangel der entscheidende Hauptübeltäter. Doch auch unser Alltag mit samt seinen Herausforderungen gleitet nicht spurlos an uns vorbei. Wir versuchen Beruf, Familie, Freunde, Haushalt und vieles mehr unter einen Hut zu packen. Verbringen schlaflose Nächte, frühstücken schnell beim nächstgelegenen Bäcker, hetzen von A nach B und stehen permanent unter Strom. Chronischer Stress ist nicht selten ursächlich für Essstörungen, hormonelle Störungen oder gar lebensbedrohliche Krankheiten.

Messerscharfe Lösung?

Um die Gewichtsreduktion zu beschleunigen, greifen immer mehr Übergewichtige zu vermeintlich einfacheren, effizienteren oder schnelleren Mitteln und legen sich unters Messer. Kurz darauf purzeln wie angepriesen zwar die Kilos, doch die Hautüberschüsse lassen nicht lange auf sich warten. Folglich steht auch schon bald die nächste Operation für eine Hautstraffung an.

Ist eine Hautstraffung eine Leistung der Krankenkasse?

Die Sozial- und Landesgerichte lehnen eine Übernahme der Kosten oftmals ab. Begründet wird dies damit, dass das herabhängende Gewebe keine behandlungsbedürftige Krankheit sei. Auch sei keine körperliche Fehlfunktion zu erwarten. Eine psychische Belastung oder gar Depressionen begründen ebenso wenig eine Kostenübernahme. Denn nach ständiger Rechtsprechung des Bundessozialgerichts lassen sich solche Folgeerkrankungen mittels der Psychiatrie und Psychotherapie bekämpfen.

Gibt es Ausnahmen?

Ja! Die Krankenkasse übernimmt immer dann die Kosten, wenn aufgrund der überschüssigen Haut funktionelle Einschränkungen eintreten. Dies kann eine Reibung, Entzündung, Rötung, Ekzem oder Pilzbildung sein, die nicht bzw. nicht mehr medizinisch behandelbar ist.

Was ist nun zu tun?

Vorerst muss der Versicherte einen Antrag bei der jeweiligen Krankenkasse stellen. Achten Sie neben einer konkreten Benennung der Leistung auch auf eine angemessene Bearbeitungszeit nach Antragseingang. Denn überschreitet die Krankenkasse eine Frist von fünf Wochen, so gilt der Antrag nach dem Gesetz als genehmigt. Das heißt, Sie dürfen die Behandlung in Anspruch nehmen und bezahlen die Kosten auf Vorkasse, welche später durch die Krankenkasse rückerstattet wird (vgl. § 13 Absatz 3a Satz 6 SGB V).

Liegt die Leistung innerhalb des Leistungskatalogs der Krankenkasse und ist es erforderlich, so gilt die Behandlung auch dann bewilligt, wenn keine ausdrückliche Bewilligung ausgesprochen wurde. Versicherten steht neben einer Kostenübernahme sogar eine Sachleistung zu. Je nach Gewebeüberhang könnte unter Umständen auch eine rein kosmetische Hautstraffung in Frage kommen.

Ob eine Hautstraffung schlussendlich genehmigungspflichtig ist oder nicht, hängt zwar stets vom Einzelfall ab, aber Sie sehen, die Krankenkassen bieten eine große Vielfalt an Leistungen an.

Lassen Sie daher rechtzeitig Ihre individuellen Ansprüche bei Ihrer jeweiligen Krankenkasse prüfen.

Finden Sie hier den passenden Anwalt in ihrer Nähe: