Arzt & Patient

Narkosefehler und verheerende Folgen bei Routineeingriffen: Was tun?

Im Jahr 2019 wurden allein in Deutschland ca. 17 Millionen Operationen durchgeführt. Über die Frage, ob alle Eingriffe medizinisch tatsächlich notwendig waren, lässt sich streiten. Unumstritten ist jedoch, dass niemand Schmerzen spüren möchte.

Ohne Narkose wollen wir nicht operiert werden

Der stetige Fortschritt in der Medizin ist natürlich erwünscht und auch notwendig. Man kann vielleicht sogar sagen, dass die Anästhesie die heutige Medizin erst ermöglicht hat. Doch nichtsdestotrotz lässt uns immer wieder bereits ein kurzer Blick in die Beipackzettel wortwörtlich erstarren. 

Auch wenn wir gerne einen großen Bogen um chirurgische Eingriffe machen würden, führt manchmal leider kein Weg dran vorbei.

Vor jeder noch so harmlosen Operation wird dem Patienten daher ein Katalog ausgehändigt nebst diversen Erläuterungen zu Risiken und Nebenwirkungen, bekannt als die Patientenaufklärung. Mangelt es bereits an diesem Punkt, wird es für den behandelnden Arzt unangenehm. Dieses Vorgehen gehört nämlich zum Standardprozedere eines Arztes. 

Unausweichlich bei der Behandlung ist die zwischenzeitlich selbstverständliche Narkose. Unser Bewusstsein wird dadurch komplett ausgeschaltet und dank muskelentspannender Substanzen werden Zuckungen während Operationen verhindert. Und das Beste – alles völlig schmerzfrei! 

Das sind zumindest die Versprechen der Pharmaindustrie….

Ein Cocktail aus verschiedenen Arzneimitteln

Ein Gemisch, das so viel wie nötig und so wenig wie möglich verabreicht werden sollte. Andererseits könnte ein böses Erwachen drohen. Die Liste der Nebenwirkungen ist lang. Die Einen erwachen während der Operation, können sich aber nicht bewegen und werden bei vollem Bewusstsein operiert. Andere erleiden nach einer Sauerstoffunterversorgung Hirnschädigungen. Leider gibt es auch vereinzelte Fälle, wo die Patienten nicht wieder aufwachen.

Kunstfehler

Ein Behandlungsfehler, umgangssprachlich auch als “Kunstfehler” bekannt, liegt dann vor, wenn der Arzt durch ein unsachgemäßes oder dem Stand der Medizin nicht entsprechendes Verhalten den Patienten schädigt. Unabhängig ob dies durch ein Tun oder ein Unterlassen erfolgt. 

Beispiele für sog. Kunstfehler reichen von mangelhafter Überwachung eines unerfahrenen Anästhesisten über unangemessene Wahl des Narkosemittels bis hin zu unzureichender Überwachung im Aufwachraum. 

Körperverletzung – Was nun?

Als Laie gestaltet es sich schwer, einen medizinischen Eingriff als Fehler zu qualifizieren. Jeder Eingriff birgt schließlich Gefahren in sich und auch Komplikationen mit Todesfolge lassen sich nicht immer ausschließen. 

Bei Verdacht auf einen Ärztefehler sollte daher eine fundierte Zweitmeinung eingeholt werden. Sie haben stets das Recht, Ihre Behandlung sowohl medizinisch als auch juristisch auf Mängel untersuchen zu lassen. Scheuen Sie sich nicht davor, Auskunft über Ihre Behandlung zu verlangen. Auch der Gang zur Krankenkasse kann hilfreich sein. Schadensersatz und Schmerzensgeld lassen sich erst dann durchsetzen, wenn Sie nachweisen können, dass Sie einen Schaden erlitten haben und dass genau dieser Schaden auf einen Ärztefehler zurückzuführen ist. 

Wer wartet hat bereits verloren ohne angefangen zu haben….

Außer Mord unterliegt im deutschen Recht jeder Tatbestand der Verjährung. Daher bedürfen fahrlässige Körperverletzungen einem Strafantrag, welches innerhalb einer Frist von drei Monaten zu stellen ist. Die Frist beginnt mit Ablauf des Tages, an dem der Berechtigte Kenntnis von der Tat erlangt hat. Es sei denn, die Strafverfolgungsbehörde hält ein Einschreiten von Amts wegen bei besonderem öffentlichem Interesse für geboten. Das könnte bei vorsätzlicher Körperverletzung gegeben sein.

Vergessen Sie nicht, Gesundheit ist unser wichtigste Gut! Wenn nicht Sie sich dafür einsetzten, macht es womöglich kein anderer!

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