Arzt & Patient

Geburtsschäden & Arzthaftung

Mit der Schwangerschaft beginnt eine lange und aufregende Zeitreise. Bis zum Geburtstermin durchlaufen werdende Mütter emotionale Berg- und Talfahrten gefüllt mit Vorfreude, Sorgen, Bedenken und Ängsten. Auch die anschließende Geburt ist für alle Beteiligten ein besonderes Ereignis und ein Wagnis zugleich.

Totgeschwiegene Fehler

Mediziner sprechen von sog. Geburtsschäden, wenn Organ- oder andere gesundheitliche Schädigungen vorliegen, die entweder bereits kurz vor oder während der Geburt entstanden sind. Die Ursachen sind oftmals genauso vielfältig wie die Folgen. So können Fehler entweder auf die Schwangerschaftsvorsorge, auf die pränatale Diagnostik oder auf die Geburt zurückgeführt werden.

Nicht inbegriffen ist hier das fahrlässige Fehlverhalten der schwangeren Mütter, wenn diese zu Drogen-Missbrauch oder Alkoholismus neigen. Auch Vorerkrankungen und die fehlerhafte Einnahme medikamentöser Mittel unterliegt der Verantwortung der Schwangeren. Das meistbekannte Beispiel ist hierbei der Contergan-Skandal aus den 60er-Jahren. Ein Schlafmittel, das schwere Fehlbildungen bei Neugeborenen verursachte.

Die häufigsten Geburtsschäden entstehen jedoch durch Sauerstoff- und Durchblutungsmängel, die unter Umständen sogar zu Hirnschädigungen führen können. Diese wiederum sind verantwortlich für die Behinderung der Kinder. Als typische Geburtsschäden gelten zudem Knochenfrakturen, Schulterdystokien, Schnittwunden beim Kaiserschnitt, Lähmungen, Neugeborenen-Gelbsucht und die Todgeburt.

Ansprüche der Betroffenen

Diese schwerwiegenden und lebenslänglichen Schäden lassen sich zwar nicht mit Geld messen, aber die finanziellen Rückschläge zumindest besser auffangen. Das Geburtsschadensrecht sieht hierfür verschiedene Entschädigungsmöglichkeiten vor. Beispielsweise soll Schmerzensgeld die bereits entstandenen Schäden ausgleichen, während Schadensersatz für Folgebehandlungen gewährt werden kann. Man beachte, dass besondere Kinder, einer besonderen Fürsorge bedürfen. Ob für Nachbehandlungen, Pflegeleistungen, Umbaumaßnahmen in der Wohnung, Bildungsmaßnahmen und vieles mehr. Auch ein sog. Erwerbsminderungsschaden könnte relevant werden, wenn Sie zusätzlich längere Verdienstausfälle einbüßen mussten.

Beweispflicht vs. Beweislastumkehr

All diese Entschädigungen stehen Ihnen jedoch nur dann zur Verfügung, wenn Sie auch nachweisen können, dass der Schaden auf einem medizinischen Behandlungsfehler beruht (Beweispflicht). Daher ist es ratsam, stets alle Unterlagen samt Fotos aufzubewahren.

Von Beweislastumkehr spricht man hingegen dann, wenn medizinisch grobe Behandlungsfehler vorliegen und die Beweispflicht auf die Mediziner übergeht. Nun müssen die Ärzte und Hebammen nachweisen, dass kein Behandlungsfehler ihrerseits vorliegt, der für den entstandenen Schaden verantwortlich ist. Die Ärzte sind verpflichtet dem aktuellen Stand der Medizin entsprechende Behandlungsregeln einzuhalten. Anderweitig könnte dies zu ihrem Nachteil verwertet werden.

Geburtsschäden verjähren nach drei Jahren. Lassen Sie daher Ihre Ansprüche rechtzeitig prüfen. So können Sie sich besser gegen die hohen finanziellen Belastungen wappnen.  

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